MagazinLion’s Mane (Igelstachelbart): was Studien zeigen, Dosierung und Sicherheit

6 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 20. Oktober 2026

Lion’s Mane (Igelstachelbart): was Studien zeigen, Dosierung und Sicherheit

Von: Záviš Lacina, Gründer von collalloc

Lion’s Mane (Igelstachelbart): was der Pilz ist, was Studien am Menschen zeigten und was nicht, welche Mengen untersucht wurden und für wen er nicht passt.

Lion’s Mane (Igelstachelbart): was Studien zeigen, Dosierung und Sicherheit

Kurze Antwort: Lion’s Mane (Hericium erinaceus, auf Deutsch Igelstachelbart) ist ein essbarer Pilz mit weißen Fruchtkörpern aus herabhängenden Stacheln. In zwei kleinen Studien aus Japan stiegen die Werte in Tests der kognitiven Funktion nach 12 bis 16 Wochen stärker als mit Placebo (Mori et al., 2009; Saitsu et al., 2019). Bei 41 gesunden jungen Erwachsenen war eine Stunde nach der ersten Einnahme ein Aufmerksamkeitstest schneller, nach 28 Tagen unterschieden sich die Ergebnisse aber nicht deutlich von Placebo (Docherty et al., 2023). Die Studien sind klein, und in der EU gibt es für Lion’s Mane keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Er ist ein Pilz, den die Forschung weiter untersucht, kein erprobtes Mittel für das Gedächtnis.

Überblick: was Studien am Menschen zeigten

StudieWer, Menge und DauerErgebnis und Grenzen
Mori et al., 200930 Personen zwischen 50 und 80 Jahren mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, etwa 3 g Pulver täglich, 16 WochenHöhere Werte in einem Test der kognitiven Funktion in Woche 8, 12 und 16, vier Wochen nach dem Absetzen wieder gesunken. Kleine Studie, Erstautor aus einer Firma, die Pilze anbaut.
Saitsu et al., 2019Erwachsene, Präparat mit Fruchtkörper, 12 WochenVerbesserung in einem von drei Tests (MMSE). Kleine Studie, zwei Tests ohne Unterschied.
Docherty et al., 202341 gesunde Personen zwischen 18 und 45 Jahren, 1,8 g täglich, 28 TageEine Stunde nach der ersten Dosis schneller im Stroop-Test, nach 28 Tagen nur ein nicht signifikanter Trend zu weniger Stress. Pilotstudie, einige Ergebnisse unverändert oder schlechter.

Was ist Lion’s Mane?

Lion’s Mane wächst an Stämmen von Laubbäumen. Die Fruchtkörper sind weiß, rundlich und mit langen, herabhängenden Stacheln bedeckt, daher der englische Name, der „Löwenmähne“ bedeutet. In der asiatischen Küche ist er ein gewöhnlicher Speisepilz, und Ernährungsfachleute der University of Utah Health (2024) empfehlen, ihn mit Olivenöl und Zwiebeln zu dünsten oder als Fleischersatz zu verwenden. Für die Küche und für Nahrungsergänzungsmittel wird er angebaut.

Was steckt in Lion’s Mane?

Fruchtkörper und Myzel enthalten Polysaccharide, darunter Beta-Glucane, und Dutzende weiterer Verbindungen. Eine Übersichtsarbeit beschreibt rund 70 davon, am bekanntesten sind Hericenone und Erinacine (Friedman, 2015). Das meiste Wissen über ihre Wirkung auf Nervenzellen stammt allerdings aus Versuchen an Zellen und Tieren. Das ist ein guter Grund für weitere Forschung, aber kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen.

Was Studien am Menschen zeigten

Am häufigsten zitiert wird die doppelblinde Studie von Mori et al. (2009). 30 Personen zwischen 50 und 80 Jahren mit diagnostizierter leichter kognitiver Beeinträchtigung nahmen 16 Wochen lang entweder Tabletten mit Lion’s Mane (12 Tabletten zu 250 mg täglich, also etwa 3 g) oder ein Placebo. Die Pilzgruppe erreichte in Woche 8, 12 und 16 höhere Werte in einem Test der kognitiven Funktion. Vier Wochen nach dem Absetzen sanken die Werte jedoch wieder deutlich. Laboruntersuchungen zeigten keine Nebenwirkungen. Die Studie war klein, und ihr Erstautor arbeitet in der Forschung einer Firma, die Pilze anbaut.

In der Studie von Saitsu et al. (2019) nahmen die Teilnehmenden 12 Wochen lang ein Präparat mit Lion’s-Mane-Fruchtkörper oder ein Placebo. Von drei Tests zu Gedächtnis und Denken zeigte nur einer, ein kurzer Test der kognitiven Funktion (MMSE), eine Verbesserung.

Bei jungen gesunden Menschen fielen die Ergebnisse bescheidener aus. In der Studie von Docherty et al. (2023) nahmen 41 Erwachsene zwischen 18 und 45 Jahren 28 Tage lang 1,8 g täglich oder ein Placebo. Eine Stunde nach der ersten Dosis waren sie im Stroop-Aufmerksamkeitstest schneller. Nach 28 Tagen zeigte sich nur ein Trend zu weniger empfundenem Stress, der statistisch nicht signifikant war, und einige Tests fielen unverändert oder schlechter aus. Das Forschungsteam schreibt selbst, dass die Ergebnisse wegen der kleinen Teilnehmerzahl mit Vorsicht zu lesen sind.

Was die Studien nicht gezeigt haben

Keine dieser Studien hat gezeigt, dass Lion’s Mane Demenz vorbeugt oder eine Krankheit behandelt. Ernährungsfachleute der University of Utah Health (2024) fassen zusammen, dass Aussagen über besseres Gedächtnis, Konzentration und Stimmung von der Forschung am Menschen bisher nicht gestützt werden, weil die meisten Daten aus Tierversuchen stammen. Deshalb gibt es für Lion’s Mane in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe (Verordnung 432/2012). Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Gedächtnis machen, ist das ein Thema für die Ärztin oder den Arzt, nicht für ein Nahrungsergänzungsmittel. Warum wir Vitalpilze nicht als Nootropika bezeichnen, erklären wir im Artikel Was sind Nootropika, und gehören Vitalpilze dazu?

Wie viel Lion’s Mane pro Tag?

Studien am Menschen verwendeten zwischen 1,8 g (Docherty et al., 2023) und etwa 3 g getrockneten Pilz pro Tag (Mori et al., 2009). Nahrungsergänzungsmittel enthalten jedoch entweder Pulver aus dem getrockneten Pilz oder einen Extrakt, in dem bestimmte Stoffe konzentriert sind. Die Milligrammangaben beider Formen lassen sich daher nicht direkt vergleichen. Bei der Auswahl hilft es, wenn das Etikett die Menge Extrakt pro Tagesportion und den Anteil an Polysacchariden oder Beta-Glucanen angibt. Halten Sie sich an die Angabe auf der Verpackung.

Wann man die Ergebnisse beurteilen kann

Die Studien werteten nach 4 bis 16 Wochen regelmäßiger Einnahme aus. Bei Mori et al. (2009) zeigte sich der Unterschied zu Placebo in Woche 8 und verschwand nach dem Absetzen. Bei Docherty et al. (2023) war ein Unterschied in einem Test eine Stunde nach der Dosis messbar, nach 28 Tagen nicht mehr. Wenn Sie Lion’s Mane ausprobieren möchten, rechnen Sie mit mehreren Wochen und beurteilen Sie ehrlich. Mehr dazu im Artikel Vitalpilze: wie lange Studien laufen und was man erwarten kann

Lion’s Mane und Cordyceps zusammen

Lion’s Mane und Cordyceps werden oft zusammen verkauft. In der Datenbank PubMed haben wir keine Studie gefunden, die diese Kombination am Menschen untersucht hat. Ob sie zusammen besser wirken als einzeln, ist also nicht bekannt. Wer beide kombiniert, addiert auch ihre möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten. Die Unterschiede zwischen den beiden Pilzen beschreiben wir im Artikel Lion’s Mane vs. Cordyceps, das Kombinieren von Pilzen im Artikel Kann man Vitalpilze kombinieren?

Für wen Lion’s Mane nicht geeignet ist

Bei einer Pilzallergie ist Vorsicht geboten: Beschrieben ist eine allergische Hautreaktion bei einer Person, die beim Anbau mit Lion’s Mane gearbeitet hat (Maes et al., 1999). Daten zur gleichzeitigen Einnahme mit Medikamenten fehlen. Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Medikamente nehmen, vor allem blutverdünnende Mittel oder Diabetesmedikamente. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine verlässlichen Daten.

So machen wir es bei collalloc

In collalloc MIND ist Lion’s Mane einer von vier Pilzen. Die Tagesportion von 4 Kapseln enthält 600 mg Lion’s-Mane-Extrakt und die gleiche Menge Extrakt aus Cordyceps, Chaga und Maitake. Der Extrakt hat mindestens 50 % Polysaccharide und mindestens 20 % Beta-Glucane. MIND ist koffeinfrei, steckt in pflanzlichen Kapseln und ist laut Etikett nicht für Schwangere geeignet. Für Vitalpilze gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, deshalb versprechen wir Ihnen kein besseres Gedächtnis. Wir schreiben, was die Forschung gezeigt hat, und überlassen die Entscheidung Ihnen.

Häufige Fragen

Was ist Lion’s Mane?

Lion’s Mane (Hericium erinaceus, Igelstachelbart) ist ein essbarer Pilz mit weißen Fruchtkörpern aus herabhängenden Stacheln. Er wächst an Laubbäumen und wird für die Küche und für Nahrungsergänzungsmittel angebaut.

Was haben Studien zu Lion’s Mane gezeigt?

In kleinen Studien stiegen die Werte in Tests der kognitiven Funktion nach 12 bis 16 Wochen stärker als mit Placebo (Mori et al., 2009; Saitsu et al., 2019), bei jungen gesunden Menschen waren die Ergebnisse bescheidener (Docherty et al., 2023). Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es in der EU nicht.

Wie viel Lion’s Mane pro Tag?

Studien verwendeten 1,8 bis etwa 3 g getrockneten Pilz pro Tag. Milligramm Extrakt und Pulver lassen sich nicht direkt vergleichen, halten Sie sich daher an die Angabe auf der Verpackung. collalloc MIND enthält 600 mg Lion’s-Mane-Extrakt pro Tagesportion.

Wie lange dauert es, bis man etwas merkt?

Die Studien werteten nach 4 bis 16 Wochen aus. In der Studie von Mori et al. (2009) zeigte sich der Unterschied zu Placebo in Woche 8 und verschwand vier Wochen nach dem Absetzen.

Kann man Lion’s Mane und Cordyceps zusammen nehmen?

Sie werden oft kombiniert, Studien zu dieser Kombination am Menschen fehlen aber. Wenn Sie beide nehmen und Medikamente einnehmen, vor allem blutverdünnende Mittel oder Diabetesmedikamente, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Ist Lion’s Mane sicher?

In einer 16-wöchigen Studie zeigten Laboruntersuchungen keine Nebenwirkungen (Mori et al., 2009). Beschrieben ist jedoch eine allergische Hautreaktion (Maes et al., 1999), und Daten zur Einnahme zusammen mit Medikamenten fehlen.

Quellen

  1. Improving effects of the mushroom Yamabushitake (Hericium erinaceus) on mild cognitive impairment: a double-blind placebo-controlled clinical trial Mori K., Inatomi S., Ouchi K., Azumi Y., Tuchida T., Phytotherapy Research, 2009
  2. Improvement of cognitive functions by oral intake of Hericium erinaceus Saitsu Y., Nishide A., Kikushima K., Shimizu K., Ohnuki K., Biomedical Research, 2019
  3. The Acute and Chronic Effects of Lion's Mane Mushroom Supplementation on Cognitive Function, Stress and Mood in Young Adults: A Double-Blind, Parallel Groups, Pilot Study Docherty S., Doughty F. L., Smith E. F., Nutrients, 2023
  4. Chemistry, Nutrition, and Health-Promoting Properties of Hericium erinaceus (Lion's Mane) Mushroom Fruiting Bodies and Mycelia and Their Bioactive Compounds Friedman M., Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2015
  5. Occupational allergic contact dermatitis from the mushroom White Pom Pom (Hericium erinaceum) Maes M. F., van Baar H. M., van Ginkel C. J., Contact Dermatitis, 1999
  6. Functional Mushrooms: What’s Up with These Fun Guys? University of Utah Health, University of Utah Health, 2024
  7. Commission Regulation (EU) No 432/2012 establishing a list of permitted health claims made on foods European Commission, Official Journal of the European Union, 2012

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