MagazinMeereskollagen oder Rinderkollagen? Die Unterschiede im Überblick

4 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 23. September 2026

Meereskollagen oder Rinderkollagen? Die Unterschiede im Überblick

Von: Záviš Lacina, Gründer von collalloc

Auf dem Kollagenmarkt herrscht viel Verwirrung. Rind oder Fisch? 2.000 mg oder 10.000 mg? Eine wichtige Zahl steht auf vielen Etiketten gar nicht: das Molekulargewicht. Wir erklären, was dahintersteckt und worin sich Meeres- und Rinderkollagen unterscheiden.

Meereskollagen oder Rinderkollagen? Die Unterschiede im Überblick

Was hydrolysiertes Kollagen ist und warum die Größe der Moleküle zählt

Kollagen in der Dose ist nicht dasselbe wie das Kollagen in Ihrer Haut oder in Ihren Sehnen. Es wird hydrolysiert, also in kürzere Kettenstücke gespalten, die man Peptide nennt. Ihre Größe wird in Dalton (Da) gemessen. Sie bestimmt mit, wie leicht die Peptide über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen.

Meereskollagen wird aus Fisch gewonnen, meist aus der Haut von Kabeljau oder Tilapia. Nach der Hydrolyse liegt sein Molekulargewicht typischerweise bei 300 bis 500 Da. Rinderkollagen liegt zwischen 500 und 5.000 Da, je nach Hersteller und Grad der Hydrolyse.

Zum Vergleich: Der menschliche Darm kann Peptide bis etwa 5.000 Da gut aufnehmen. Technisch gelingt das also bei beiden Arten. Kleinere Peptide gelten aber als leichter aufnehmbar.

Kollagentyp: Kollagen ist nicht gleich Kollagen

Unser Körper enthält mindestens 28 Kollagentypen. Für Haut, Haare und Nägel ist Typ I am wichtigsten. Er macht rund 80 % des Kollagens in der Haut aus und spielt eine Schlüsselrolle für ihre Elastizität und Feuchtigkeit.

Meereskollagen besteht zu 70 bis 100 % aus Typ I. Rinderkollagen, vor allem aus Knochen und Knorpel, enthält eine Mischung aus Typ I und Typ III. Typ III findet sich eher in Geweben und Bindegewebsstrukturen wie Leber, Lunge und Gefäßwänden. Für die Haut steht dagegen Typ I im Vordergrund.

Deshalb arbeiten Studien zur Haut (Feuchtigkeit, feine Linien, Elastizität) überwiegend mit Meereskollagen Typ I.

Was die Forschung zur Aufnahme sagt

Eine im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlichte Studie (Ohara und Kollegen, 2007) verglich Hydrolysate aus Fischschuppen, Fischhaut und Schweinehaut. Nach dem Hydrolysat aus Fischschuppen fanden sich im Blut insgesamt deutlich mehr Peptide mit Hydroxyprolin (einer typischen Aminosäure des Kollagens) als nach dem Hydrolysat aus Schweinehaut. In Laborstudien an Fibroblasten, den Zellen der Lederhaut, wirkten solche Peptide als Signal, eigenes Kollagen zu bilden.

Anders gesagt: Kollagen aus einer Kapsel oder einem Sachet wird nicht einfach als Baustein an seiner ursprünglichen Stelle eingebaut. Die Forschung untersucht vielmehr, ob Peptide über das Blut als Signal für die Bildung von neuem Kollagen dienen.

Dieser Mechanismus wird für Kollagen aus beiden Quellen diskutiert.

Ethik, Sicherheit und Nachhaltigkeit: was nicht auf dem Etikett steht

Hier geht es um Unterschiede, die selten auf dem Etikett stehen.

BSE und Prionen

Beim Rind gibt es ein Thema, das bei Fisch keine Rolle spielt: BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie), umgangssprachlich Rinderwahnsinn. Die Prionen, die BSE auslösen, konzentrieren sich im zentralen Nervensystem von Rindern. Deshalb ist die Herstellung von Kollagen aus Rinderrohstoffen in der EU gesetzlich geregelt.

Zur industriellen Herstellung von Rinderkollagen gehören Hitze und chemische Verfahren (saure oder alkalische Hydrolyse), die das Risiko durch Prionen verringern. Eine starke Hitzebehandlung über 60 bis 65 °C verändert dabei auch die Struktur des Kollagens (Denaturierung).

Bei Meereskollagen stellt sich diese Frage nicht: Fische sind von BSE nicht betroffen. Die Herstellung kann deshalb mit schonenderen Verfahren auskommen.

Abholzung und CO₂-Fußabdruck

Rinderkollagen hat noch eine Seite, die in keiner Vergleichstabelle auftaucht: den ökologischen Preis. Die weltweite Nachfrage nach Rindern und damit auch nach Nebenprodukten wie Kollagen trägt zur Abholzung bei, vor allem in Südamerika. Im brasilianischen Amazonasgebiet und im Cerrado gingen in den letzten Jahrzehnten Dutzende Millionen Hektar Wald verloren, vor allem für neue Weideflächen. Die Rinderhaltung gehört weltweit zu den größten Quellen von Methan und Kohlendioxid.

Meereskollagen entsteht dagegen meist aus Nebenprodukten der Fischindustrie, aus Haut und Schuppen, die sonst als Bioabfall enden würden. Es ist also eine sinnvolle Verwertung eines Nebenprodukts.

Natürlich kommt es auf die Herkunft an: Fisch aus zertifizierter nachhaltiger Fischerei und Fisch aus intensiver Aquakultur sind zwei verschiedene Dinge.

Was zu wem passt

  • Haut, Haare, Nägel: Meereskollagen Typ I ist hier die naheliegende Wahl, denn mit diesem Typ arbeiten die meisten Hautstudien. Kleinere Peptide, überwiegend Typ I, kein BSE-Thema.
  • Gelenke und Sport: Typ II und III finden Sie eher in Produkten aus Rind oder in Kombinationsprodukten. Achten Sie auf einen geprüften Hersteller mit transparenter Herkunftsangabe.
  • Vegan: Weder Meeres- noch Rinderkollagen ist vegan. Es gibt pflanzliche Alternativen mit Aminosäuren wie Prolin und Glycin, aber ohne vergleichbare Studiendaten.
  • Bei einer Fischallergie: Kollagen aus Rind oder Huhn, am besten von einem zertifizierten Hersteller aus einer Region mit geringem BSE-Risiko.
  • Wenn Ihnen die Umwelt wichtig ist: Meereskollagen aus nachhaltigem Fischfang verwertet Nebenprodukte und kommt ohne Rinderhaltung aus.

Fazit

Die Unterschiede zwischen Meeres- und Rinderkollagen liegen nicht im Marketing, sondern in den Fakten: kleinere Peptide, überwiegend Typ I, kein BSE-Thema und die Verwertung von Nebenprodukten der Fischindustrie. Über Nacht passiert nichts. Studien zur Haut beobachten Zeiträume von mehreren Wochen.

Häufige Fragen

Welches Kollagen passt zu Haut, Haaren und Nägeln?

Studien zur Haut arbeiten überwiegend mit Meereskollagen Typ I. Es besteht zu 70 bis 100 % aus Typ I und hat nach der Hydrolyse meist kleinere Peptide (300 bis 500 Da) als Rinderkollagen.

Welches Kollagen passt zu Gelenken und Sport?

Typ II kommt vor allem im Knorpel vor, Typ III im Bindegewebe. Sie finden diese Typen eher in Produkten aus Rind oder in Kombinationsprodukten. Achten Sie auf einen geprüften Hersteller mit transparenter Herkunftsangabe.

Gibt es eine vegane Alternative zu Kollagen?

Weder Meeres- noch Rinderkollagen ist vegan. Es gibt pflanzliche Alternativen auf Basis von Aminosäuren wie Prolin und Glycin. Vergleichbare Studiendaten wie zu Kollagenpeptiden gibt es dazu aber nicht.

Spielt BSE bei Kollagen eine Rolle?

Bei Fisch nicht, denn Fische sind von BSE nicht betroffen. Bei Rinderkollagen verringern Hitze und chemische Verarbeitungsschritte (saure oder alkalische Hydrolyse) das Risiko durch Prionen. Die Herstellung von Kollagen aus tierischen Rohstoffen ist in der EU gesetzlich geregelt.

Quellen

  1. Comparison of quantity and structures of hydroxyproline-containing peptides in human blood after oral ingestion of gelatin hydrolysates from different sources Ohara H, Matsumoto H et al., Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2007

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