MagazinWird getrunkenes Kollagen aufgenommen? Was im Körper passiert
Wird getrunkenes Kollagen aufgenommen? Was im Körper passiert
Das große Kollagenmolekül wird nicht als Ganzes aufgenommen. Das heißt aber nicht, dass getrunkenes Kollagen einfach wie jedes andere Eiweiß verdaut wird. Was eine Studie am Menschen zeigt, die gemessen hat, was nach dem Trinken tatsächlich im Blut ankommt.

Kurze Antwort
Ja, hydrolysiertes Kollagen wird aufgenommen. Eine Studie am Menschen aus dem Jahr 2005 hat gemessen, dass nach dem Trinken eines Kollagenhydrolysats kollagenspezifische Peptide im Blut erscheinen, vor allem Pro-Hyp, mit einem Höchstwert nach 1 bis 2 Stunden. Die Hydrolyse zerlegt das große Kollagenmolekül in kleine Peptide, die die Verdauung überstehen und durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Der große Unterschied: Ein Teil wird nicht nur als Aminosäuren aufgenommen, sondern als ganze kurze Peptide, die in Labor- und Tierstudien auch als Signalstoffe untersucht werden.
Warum das überhaupt eine Frage ist
Das Molekül des nativen Kollagens ist riesig. Es ist eine Dreifachhelix mit einer Masse von etwa 300.000 Da. Ein solches Molekül wird nicht als Ganzes über die Darmwand aufgenommen, dafür ist es um Größenordnungen zu groß. Der naheliegende Einwand lautet daher: Der Körper zerlegt Kollagen ohnehin in Aminosäuren wie jedes andere Eiweiß, welchen Sinn hat es also, ausgerechnet Kollagen zu trinken?
Die Antwort hängt davon ab, was bei der Verdauung genau aus Kollagen entsteht und was davon ins Blut gelangt. Und hier unterscheidet sich Kollagen von gewöhnlichem Eiweiß, denn es enthält die ungewöhnliche Aminosäure Hydroxyprolin und typische Aminosäurepaare, die die Verdauung überstehen können.
Was nach dem Trinken Schritt für Schritt passiert
Hydrolysiertes Kollagen ist Kollagen, das der Hersteller vorab mit Enzymen in kurze Peptide gespalten hat, in der Größenordnung von 1 bis 5 kDa. Im Verdauungstrakt werden die Peptide weiter in Dipeptide, Tripeptide und freie Aminosäuren zerlegt.
Entscheidend ist das Hydroxyprolin. Die Bindung zwischen Prolin und Hydroxyprolin ist für Verdauungsenzyme ungewöhnlich widerstandsfähig, deshalb übersteht das Paar Prolin und Hydroxyprolin (Pro-Hyp) die Spaltung oft als Ganzes. Die Darmwand kann ein solches kleines Peptid dann unzerteilt ins Blut transportieren, nicht nur in einzelne Aminosäuren zerlegt.
Pro-Hyp: das Peptid, das die Verdauung übersteht
Die Studie von Iwai und Kollegen (Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2005) hat die Peptide im Blut von Freiwilligen nach dem Trinken eines Kollagenhydrolysats gemessen. Pro-Hyp machte etwa 95 % des peptidgebundenen Hydroxyprolins im Blut aus. Das ist ein Anteil unter den gemessenen Peptiden, keine Aufnahmequote. Die Konzentration von Pro-Hyp stieg auf 20 bis 60 nmol/mL Plasma, mit einem Höchstwert nach 1 bis 2 Stunden.
Pro-Hyp bleibt im Blut außerdem stabil. In einem Test mit menschlichem Serum waren nach 24 Stunden mehr als 75 % des Pro-Hyp noch ungespalten. Genau deshalb ist es im Kreislauf über Stunden messbar, nicht nur über Minuten. Hinweis: Das Hydrolysat in dieser Studie stammte von Schwein und Huhn, das Prinzip der Aufnahme gilt aber grundsätzlich für Kollagen aus verschiedenen Quellen.
Gelangt es bis ins Gewebe?
Die Aufnahme ins Blut ist der erste Schritt. Der zweite ist, ob die Peptide dorthin gelangen, wo sie etwas bewirken sollen. Ein Versuch an Mäusen mit radioaktiv markiertem Kollagenhydrolysat (Oesser et al., Journal of Nutrition, 1999) zeigte, dass sich die Markierung nach der Aufnahme bevorzugt im Knorpel anreicherte. Die Radioaktivität war dort mehr als doppelt so hoch wie in der Kontrolle.
Die entstehenden Peptide sind außerdem nicht nur Baumaterial. In Versuchen wirkte Pro-Hyp als chemotaktisches Signal für Fibroblasten, die Zellen, die Kollagen bilden. Das ist der Unterschied zwischen „Aminosäuren liefern“ und „Zellen ein Signal geben“. Dieser Teil ist bisher vor allem an Tieren und Zellen untersucht, nicht in großen Studien am Menschen.
Was das für die Praxis bedeutet
- Hydrolysiertes, nicht gewöhnliches Kollagen. Im Blut erscheinen Peptide aus dem Hydrolysat. Das große, nicht hydrolysierte Molekül kommt auf diesem Weg nicht hindurch.
- Die Größe zählt. Kleinere Peptide werden leichter aufgenommen. collalloc kolagen hat eine Fraktion von rund 500 Da.
- Höchstwert nach Stunden, nicht nach Minuten. Daraus folgt Regelmäßigkeit: Eine Portion täglich über längere Zeit ist sinnvoller als eine gelegentliche Einnahme.
- Kalte Zubereitung. Meereskollagen ist wärmeempfindlich. Ins Getränk gehört es nur bis höchstens 60 °C, nie in kochendes Wasser.
Kollagen, das Sie trinken, wird nicht als Ganzes aufgenommen. Aufgenommen werden Peptide daraus, und genau sie stehen als Signalgeber im Fokus der Forschung.
Quellen
- Iwai K. et al. Identification of food-derived collagen peptides in human blood after oral ingestion of gelatin hydrolysates. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2005. doi.org/10.1021/jf050206p
- Oesser S. et al. Oral administration of 14C labeled gelatin hydrolysate leads to an accumulation of radioactivity in cartilage of mice. Journal of Nutrition, 1999. doi.org/10.1093/jn/129.10.1891
Häufige Fragen
Wird getrunkenes Kollagen aufgenommen?
Ja, in hydrolysierter Form. Eine Studie am Menschen aus dem Jahr 2005 hat im Blut Kollagenpeptide gemessen, vor allem Pro-Hyp, mit einem Höchstwert 1 bis 2 Stunden nach dem Trinken (Iwai et al., 2005).
Warum hydrolysiertes und nicht gewöhnliches Kollagen?
Natives Kollagen ist ein Molekül von etwa 300.000 Da und wird nicht als Ganzes aufgenommen. Die Hydrolyse spaltet es in Peptide von etwa 1 bis 5 kDa, die durch die Darmwand ins Blut gelangen.
Was ist Pro-Hyp?
Pro-Hyp (Prolyl-Hydroxyprolin) ist das wichtigste Kollagenpeptid, das nach der Einnahme von Kollagen im Blut erscheint. Es ist abbaustabil und bleibt deshalb über Stunden im Kreislauf (Iwai et al., 2005).
Gelangt getrunkenes Kollagen bis ins Gewebe?
Ein Versuch an Mäusen mit markiertem Kollagen zeigte eine bevorzugte Anreicherung im Knorpel (Oesser et al., 1999). Beim Menschen ist bisher vor allem die Aufnahme ins Blut belegt.
Wie schnell wirkt Kollagen?
Die Peptide sind nach 1 bis 2 Stunden im Blut, das ist aber nur die Aufnahme. Über eine Wirkung im Gewebe sagt das noch nichts aus. Mögliche Veränderungen brauchen Zeit, deshalb ist Regelmäßigkeit wichtiger als eine einzelne Portion.




