MagazinCordyceps: Leistungspilz oder nur ein Biohacking-Trend?
Cordyceps: Leistungspilz oder nur ein Biohacking-Trend?
Cordyceps taucht in Interviews mit Ultraläufern auf, in den Supplement-Listen von CEOs aus dem Silicon Valley und in Werbung, die Energie „ohne Koffein“ verspricht. Die Frage ist berechtigt: Steckt dahinter etwas, das biologisch funktioniert, oder ist es nur der nächste Pilztrend?

Was Cordyceps ist und woher er stammt
Cordyceps ist eine Pilzgattung, die in der traditionellen tibetischen und chinesischen Medizin seit vielen Generationen verwendet wird. Die bekannteste Art, Cordyceps sinensis, wächst in großen Höhen des Himalaya. Vor Ort nannte man sie „Yarsagumba“, und die Ernte war nie Massenproduktion.
Viele heutige Nahrungsergänzungsmittel arbeiten deshalb mit der Art Cordyceps militaris. Sie lässt sich kontrolliert auf einem Substrat kultivieren und liefert dieselbe Gruppe bioaktiver Stoffe, ohne die wilden Bestände zu belasten.
Was über die Wirkweise von Cordyceps bekannt ist
Als wichtigste Inhaltsstoffe gelten Cordycepin und Adenosin. Beide werden mit dem Energiestoffwechsel der Zellen in Verbindung gebracht, vor allem mit der Bildung von ATP (Adenosintriphosphat), dem wichtigsten Energieträger der Zelle. Diese Zusammenhänge stammen überwiegend aus Labor- und Tierstudien. Ohne genug ATP geraten Muskeln und Gehirn in einen Zustand, den wir schlicht „Müdigkeit“ nennen.
Außerdem wird untersucht, ob Cordyceps die Bildung von Stickstoffmonoxid beeinflusst, das die Gefäße erweitert und die Sauerstoffversorgung der Muskeln verbessert. Einzelne Studien berichten über eine höhere VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme) und eine später einsetzende Muskelermüdung bei aerober Belastung.
Was die Forschung tatsächlich zeigt
Chen und Kollegen (2010) testeten einen Cordyceps-Extrakt 12 Wochen lang bei gesunden älteren Erwachsenen. Die Cordyceps-Gruppe erreichte auf dem Ergometer eine signifikant höhere aerobe Leistungsfähigkeit als die Placebogruppe.
Hirsch und Kollegen (2017) untersuchten die Leistungsfähigkeit von Freizeitsportlern nach 1 und 3 Wochen Einnahme. Nach 3 Wochen zeigte sich eine bessere Belastbarkeit bei hochintensiven Intervallen.
Wichtig für die Einordnung: Chen und Kollegen untersuchten das Präparat Cs-4, einen Extrakt aus Cordyceps sinensis, Hirsch und Kollegen ein Präparat aus Cordyceps militaris, jeweils in eigenen Dosierungen. collalloc MIND enthält Cordyceps sinensis, 600 mg pro Tagesportion. Die Ergebnisse dieser Studien lassen sich deshalb nicht auf MIND übertragen.
Die Studien sind also nicht groß, aber methodisch sauber. Cordyceps ist kein Wunderstimulans. Die vorhandenen Studien haben messbare Unterschiede bei der Ausdauerleistung gefunden, die Datenlage ist aber noch überschaubar.
Wo Leistung endet und der Hype beginnt
Cordyceps ist kein Koffein in Kapselform. Er gibt Ihnen keinen sofortigen Energieschub innerhalb von 20 Minuten. Studien mit Cordyceps laufen über mehrere Wochen.
Wenn Ihnen jemand „Energie in 15 Minuten“ verspricht, geht es entweder um ein anderes Produkt oder um Marketing. Cordyceps wird auf der Ebene der Mitochondrien erforscht, nicht als Stimulans für das zentrale Nervensystem.
Für wen Cordyceps interessant sein kann
- Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler (Laufen, Radfahren, Schwimmen), die ihre Trainingsroutine ergänzen möchten
- Wer früh morgens oder abends trainiert und kurz vor dem Schlafen kein Koffein möchte
- Wer in stressigen, körperlich fordernden Phasen eine koffeinfreie Ergänzung sucht
Für wen Cordyceps weniger relevant ist
- Wer vor einem Termin einen schnellen mentalen „Boost“ sucht. Dafür ist Cordyceps nicht gedacht. Lion’s Mane wird eher im Zusammenhang mit Konzentration erforscht, und ein guter Start in den Tag hilft ohnehin.
- Wer eine diagnostizierte Erkrankung hat, bei der Eingriffe in den Stoffwechsel nicht ratsam sind. Sprechen Sie in jedem Fall vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Fazit
Cordyceps ist keine Modeerscheinung. Er ist ein Pilz mit langer traditioneller Verwendung und einer wachsenden Zahl klinischer Daten. Er ist aber auch keine Wunderpille. Die Studien liefen über mehrere Wochen, mit täglicher Einnahme und eigenen Präparaten. Für ein bestimmtes Produkt lässt sich daraus kein Ergebnis ableiten. Die Grundlage bleiben andere Gewohnheiten: Schlaf, ausreichend Trinken, Training. Anhaltende Erschöpfung lassen Sie bitte ärztlich abklären.
Quellen
- Effect of Cs-4® (Cordyceps sinensis) on Exercise Performance in Healthy Older Subjects: A Double-Blind, Placebo-Controlled Trial Chen S, Li Z et al., The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2010
- Cordyceps militaris Improves Tolerance to High-Intensity Exercise After Acute and Chronic Supplementation Hirsch KR, Smith-Ryan AE et al., Journal of Dietary Supplements, 2017




