MagazinKollagen und Gelenke: ein ehrlicher Blick auf die Studienlage

3 Min. Lesezeit · Veröffentlicht: 25. Juni 2026

Kollagen und Gelenke: ein ehrlicher Blick auf die Studienlage

Von: Johana Hamaďáková, Wellness-Coach und Lifestyle-Redakteurin

Rund um Kollagen und Gelenke gibt es viel Marketing. Hier ist ein nüchterner Überblick: was Studien zeigen, wo ihre Schwächen liegen und warum Sie Kollagenhydrolysat nicht mit Typ-II-Kollagen bei Rheuma verwechseln sollten.

Kollagen und Gelenke: ein ehrlicher Blick auf die Studienlage

Kurze Antwort

Die Studienlage zu Kollagenhydrolysat und Gelenken ist gemischt, nicht eindeutig. Laborarbeiten zeigen, dass Kollagenpeptide Knorpelzellen dazu anregen, mehr Kollagen Typ II zu bilden. Einige klinische Studien berichten über weniger Schmerzen, andere haben ihr Hauptziel verfehlt. Die meisten dieser Studien liefen zudem mit Rinder- oder Schweinekollagen, nicht mit Meereskollagen. Und Vorsicht: Nicht denaturiertes Typ-II-Kollagen bei Rheuma ist etwas völlig anderes als ein Hydrolysat. Wir gehen das ehrlich durch.

Wie es funktionieren soll

Knorpel besteht zu einem großen Teil aus Kollagen Typ II. Der wichtigste Laborbefund stammt von Oesser und Seifert (Cell and Tissue Research, 2003): Kollagenhydrolysat steigerte in Knorpelzellen die Bildung von Kollagen Typ II etwa um das 2,5-Fache, und zwar spezifisch. Natives Kollagen und ein Eiweiß ohne Kollagen hatten keinen solchen Effekt. Dazu zeigte ein Versuch an Mäusen (Oesser und Kollegen, 1999), dass sich aufgenommene Peptide bevorzugt im Knorpel anreichern. Der Mechanismus ist also plausibel. Es handelt sich aber um Zell- und Tierdaten.

Was die klinischen Studien gezeigt haben (und was nicht)

Eine randomisierte Studie mit 147 Sportlerinnen und Sportlern mit belastungsbedingten Gelenkbeschwerden (Clark und Kollegen, Current Medical Research and Opinion, 2008) gab 24 Wochen lang täglich 10 g Kollagenhydrolysat oder ein Placebo. In der Kollagengruppe gaben die Teilnehmenden beim Gehen weniger Schmerzen an als in der Placebogruppe. Am deutlichsten war der Unterschied in der Untergruppe mit Kniebeschwerden.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch die andere Seite. Eine große internationale Studie mit 389 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose (Moskowitz, 2000) verfehlte ihr Hauptziel gegenüber Placebo insgesamt. Ein signifikanter Unterschied zeigte sich nur in einem Teil der Studienzentren. Und die Studie von Rippe (n = 190) fand eine Verbesserung der objektiv gemessenen Muskelkraft, aber beim subjektiven Schmerz keinen Unterschied zu Placebo. Das Bild ist also gemischt.

Vorsicht: Typ II bei Rheuma ist nicht dasselbe

Im Internet wird „Kollagen für die Gelenke“ oft in einen Topf geworfen. Dabei geht es um zwei völlig verschiedene Dinge. Die bekannte Studie in Science (Trentham und Kollegen, 1993) gab Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, einer Autoimmunerkrankung, nicht denaturiertes Typ-II-Kollagen vom Huhn in Mikrogramm-Dosen. Der Ansatz zielt auf die sogenannte orale Toleranz des Immunsystems, nicht auf den Aufbau von Knorpel.

Das ist ein anderes Molekül (nicht denaturiertes Typ II, kein Hydrolysat), eine andere Dosis (Mikrogramm, nicht Gramm), eine andere Erkrankung (autoimmunes Rheuma, kein Gelenkverschleiß) und ein anderer Mechanismus. Die Ergebnisse der einen Kategorie lassen sich nicht auf die andere übertragen.

Und was ist mit Meereskollagen?

Ein wichtiges Eingeständnis: Die klinischen Gelenkstudien oben verwendeten Rinder- oder Schweinekollagen, kein Meereskollagen. collalloc verkauft Meereskollagen, deshalb übertragen wir diese konkreten Ergebnisse nicht auf unser Produkt. Aminosäurezusammensetzung und Mechanismus sind bei den verschiedenen Kollagenquellen vergleichbar. Das ist aber nicht dasselbe wie ein klinischer Nachweis für Fischkollagen bei Gelenken. Deshalb sprechen wir über Gelenke nüchtern und ohne Heilversprechen.

Realistisch zusammengefasst

  • Der Mechanismus ist plausibel. Peptide reichern sich im Knorpel an und regen Zellen zur Bildung von Kollagen Typ II an (Labor, Tierversuche).
  • Die klinischen Daten sind gemischt. Einige Studien berichten über weniger Schmerzen, andere haben ihr Hauptziel verfehlt.
  • Die meisten Daten stammen von Rind und Schwein. Für Meereskollagen und Gelenke fehlt eine große Studie am Menschen.
  • Es braucht Zeit. Wo sich in Studien ein Unterschied zeigte, ging es um Monate regelmäßiger Einnahme, nicht um Tage.
  • Es ist kein Arzneimittel. Ein Nahrungsergänzungsmittel behandelt keine Arthrose. Gelenkschmerzen gehören in ärztliche Hände.
Das ehrliche Bild ist gemischt. Und gerade deshalb verdient es mehr Vertrauen als Werbeversprechen.

Quellen

  • Oesser S., Seifert J. Stimulation of type II collagen biosynthesis and secretion in bovine chondrocytes cultured with degraded collagen. Cell and Tissue Research, 2003. doi.org/10.1007/s00441-003-0702-8
  • Clark K. L. et al. 24-week study on the use of collagen hydrolysate in athletes with activity-related joint pain. Current Medical Research and Opinion, 2008. doi.org/10.1185/030079908X291967
  • Moskowitz R. W. Role of collagen hydrolysate in bone and joint disease. Seminars in Arthritis and Rheumatism, 2000. doi.org/10.1053/sarh.2000.9622
  • Trentham D. E. et al. Effects of oral administration of type II collagen on rheumatoid arthritis. Science, 1993. doi.org/10.1126/science.8378772

Häufige Fragen

Hilft Kollagen bei Gelenkbeschwerden?

Die Studienlage ist gemischt. Laborstudien zeigen eine Anregung der Kollagenbildung im Knorpel, und ein Teil der klinischen Studien berichtet über weniger Schmerzen (Clark et al., 2008). Andere haben ihr Hauptziel verfehlt (Moskowitz, 2000). Die meisten Studien verwendeten Rinder- oder Schweinekollagen.

Wie soll Kollagen im Gelenk wirken?

Kollagenpeptide reichern sich bevorzugt im Knorpel an und regen im Labor Knorpelzellen dazu an, mehr Kollagen Typ II zu bilden, etwa um das 2,5-Fache (Oesser und Seifert, 2003). Es handelt sich um Zell- und Tierdaten.

Ist Typ-II-Kollagen bei Rheuma dasselbe wie das Kollagen, das ich trinke?

Nein. Nicht denaturiertes Typ II (oft vom Huhn) wurde bei rheumatoider Arthritis in Mikrogramm-Dosen untersucht und setzt an der oralen Toleranz des Immunsystems an (Trentham et al., 1993). Hydrolysiertes Kollagen wird in Gramm eingenommen und funktioniert anders. Bitte nicht verwechseln.

Gelten die Gelenkstudien zu Kollagen auch für Meereskollagen?

Nicht direkt. Die klinischen Gelenkstudien verwendeten Rinder- oder Schweinekollagen. Der Mechanismus ist bei den Kollagenquellen vergleichbar, eine große Studie am Menschen mit Meereskollagen für die Gelenke fehlt aber bisher. Deshalb bleiben wir zurückhaltend.

Behandelt Kollagen Arthrose?

Nein. Ein Nahrungsergänzungsmittel behandelt keine Arthrose. Gelenkschmerzen gehören in ärztliche Hände. Kollagen ist bestenfalls ein Teil der Ernährung, keine Behandlung.

Produkte

Im Artikel erwähnte Produkte

← Alle Artikel