MagazinVeganes und pflanzliches Kollagen: Gibt es das wirklich?
Veganes und pflanzliches Kollagen: Gibt es das wirklich?
Gibt es veganes oder pflanzliches Kollagen? Die ehrliche Antwort, was in veganen „Kollagen“-Produkten steckt und welche Kollagenquelle zu Ihnen passt, ob Sie vegan, vegetarisch oder pescetarisch leben.

Kurze Antwort: Nein. Echtes veganes Kollagen als Nahrungsergänzungsmittel gibt es nicht, denn Kollagen ist ein tierisches Eiweiß, und weder Pflanzen noch Pilze bilden es. Produkte mit der Bezeichnung veganes oder pflanzliches Kollagen enthalten meist überhaupt kein Kollagen. Es sind Mischungen aus Aminosäuren wie Glycin, Prolin und Lysin mit Vitamin C und Pflanzenextrakten, die den Körper bei der Bildung seines eigenen Kollagens unterstützen sollen. Eine Veganerin hat andere Möglichkeiten als eine Vegetarierin, die Eier isst, und wieder andere als eine Pescetarierin: Die Übersicht finden Sie in der Tabelle weiter unten.
Warum es kein pflanzliches Kollagen gibt
Kollagen ist das häufigste Eiweiß im Körper von Säugetieren, und seine Familie umfasst 28 Typen (Ricard-Blum, 2011). Es hält Haut, Sehnen, Knochen und Knorpel zusammen. Auch Pflanzen brauchen Festigkeit, sie lösen das aber anders: mit Zellwänden aus Cellulose. Pilze haben Chitin in ihren Zellwänden. Kollagen bilden beide nicht.
Jedes Kollagen in Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetik und Gelatine stammt deshalb von Tieren, meist von Fischen, Rindern, Schweinen oder Geflügel. Agar und Pektin, die als pflanzlicher Ersatz für Gelatine verwendet werden, sind kein Kollagen: Agar wird aus Rotalgen gewonnen, Pektin aus Obst, und beide sind Polysaccharide, keine Eiweiße.
Was sich hinter der Bezeichnung veganes Kollagen verbirgt
Wenn auf der Packung veganes Kollagen steht, werfen Sie einen Blick auf die Zutatenliste. Meist finden Sie dort drei Gruppen von Stoffen:
- Aminosäuren, am häufigsten Glycin, Prolin und Lysin. Kollagen ist ungewöhnlich zusammengesetzt: Etwa jede dritte Aminosäure darin ist Glycin, und es enthält auch viel Prolin (Ricard-Blum, 2011). Ausführlich erklären wir das im Artikel Glycin, Prolin, Hydroxyprolin: die Aminosäuren, aus denen Kollagen besteht.
- Vitamin C, oft zusammen mit Zink oder Kupfer.
- Pflanzenextrakte, zum Beispiel Asiaticosid aus dem Asiatischen Wassernabel (Centella asiatica) oder Ginsenoside aus Ginseng.
Solche Mischungen nennt man Kollagen-Booster. Sie liefern kein Kollagen, sondern Rohstoffe und Hilfsstoffe für den Körper, der sein Kollagen selbst herstellt. Glycin und Prolin kann der Körper selbst bilden, Lysin muss er über die Nahrung aufnehmen. Für Glycin legt eine theoretische Berechnung nahe, dass Eigenproduktion und Nahrung zusammen nicht den gesamten Bedarf des Körpers decken könnten, und schätzt die Lücke auf etwa 10 g pro Tag (Meléndez-Hevia et al., 2009). Es handelt sich aber um ein Modell, nicht um Messungen am Menschen.
Studien am Menschen gibt es bisher wenige. In einer placebokontrollierten Studie mit 90 Teilnehmenden stieg nach 8 Wochen mit einer bestimmten pflanzlichen Mischung aus Extrakten und fermentierten Aminosäuren die Kollagendichte der Haut um 4,7 % und ihre Elastizität um 5,1 % im Vergleich zu Placebo (Lin et al., 2024). Das ist ein interessantes Ergebnis, es betrifft aber eine bestimmte Mischung und lässt sich nicht auf andere Produkte mit gleichem Namen übertragen.
Kollagen ohne Tiere gibt es, bisher aber im Labor
Das einzige echte Kollagen, das nicht im Körper eines Tieres entsteht, ist rekombinantes Kollagen. Forschende schleusen das Gen für menschliches Kollagen in Hefen, Bakterien oder Pflanzen ein, und diese beginnen, es herzustellen. Die Hefe Pichia pastoris kann korrekt hydroxyliertes menschliches Kollagen in Mengen von bis zu 1,5 g pro Liter Kultur bilden, vor allem für die Medizin (Báez et al., 2005). Menschliches Kollagen Typ I wird auch in gentechnisch verändertem Tabak für das Tissue Engineering hergestellt (Shoseyov et al., 2014). 2026 beschrieben Forschende aus Freiburg die Herstellung eines Abschnitts von menschlichem Kollagen Typ III im Moos Physcomitrella: In einem Bioreaktor mit fünf Litern entstand knapp 1 mg pro Liter, Ziel ist die Kosmetik (Bohlender et al., 2026).
Das ist wirklich Kollagen ohne Tiere, bisher geht es aber um Forschung und Materialien für Medizin und Kosmetik. Eine placebokontrollierte Studie, in der Menschen solches Kollagen als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hätten, haben wir in der Datenbank PubMed nicht gefunden.
Was Sie wählen können, wenn Sie vegan, vegetarisch oder pescetarisch leben
| Quelle | Enthält Kollagen? | Veganerin | Vegetarierin, die Eier isst | Pescetarierin |
|---|---|---|---|---|
| Meereskollagen (aus Fisch) | Ja | Nein | Nein | Ja, wenn keine Fischallergie besteht |
| Kollagen und Gelatine vom Rind, Schwein oder Huhn | Ja | Nein | Nein | Nein |
| Eierschalenmembran | Ja, zusammen mit Keratin und Glykosaminoglykanen (Zhang et al., 2026) | Nein | Ja | Ja |
| Veganes Kollagen (Kollagen-Booster) | Nein, nur Aminosäuren, Vitamine und Extrakte | Ja, wenn alle Zutaten pflanzlich sind | Ja | Ja |
| Rekombinantes Kollagen | Ja | Bisher nur in der Forschung | Bisher nur in der Forschung | Bisher nur in der Forschung |
Meereskollagen stammt aus Fisch und ist deshalb weder vegan noch vegetarisch. In eine pescetarische Ernährung passt es, bei einer Fischallergie aber nicht. Kollagen wurde als Fischallergen identifiziert, und die Antikörper von Allergikern reagierten darauf bei verschiedenen Fischarten (Hamada et al., 2001). Worauf Sie sonst noch achten sollten, fassen wir im Artikel Nebenwirkungen von Kollagen zusammen.
Für eine Vegetarierin, die Eier isst, ist die Eierschalenmembran interessant. Als Rohstoff für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel wird sie aber erst erforscht (Zhang et al., 2026).
Wie Sie die körpereigene Kollagenbildung bei pflanzlicher Ernährung unterstützen
Der Körper baut Kollagen aus den Aminosäuren der Eiweiße auf, die Sie essen. Achten Sie bei pflanzlicher Ernährung deshalb vor allem auf genug Eiweiß:
- Hülsenfrüchte, Soja und Tofu. Sie sind eine gute Quelle für Lysin, von dem Getreide weniger enthält.
- Nüsse, Samen und Vollkorngetreide. Sie sorgen für Vielfalt bei den Eiweißquellen über den Tag.
- Gemüse und Obst mit Vitamin C. Paprika, Brokkoli, Kiwi, Zitrusfrüchte oder Erdbeeren.
Weitere Tipps finden Sie im Artikel Die körpereigene Kollagenproduktion unterstützen.
So halten wir es bei collalloc
collalloc kolagen ist hydrolysiertes Meereskollagen aus Fisch mit einem Molekulargewicht von rund 500 Da, ohne Süßungsmittel, Farbstoffe und Aromen. Vegan ist es nicht, und das behaupten wir auch nicht. Es passt für Pescetarierinnen ohne Fischallergie. Die Mikrobiologie prüfen wir bei jeder Produktionscharge, Schwermetalle jeden Monat in einem externen Labor. Die Ergebnisse finden Sie beim Produkt und auf der Seite Labor.
Wenn Sie sich vegan ernähren, können wir Ihnen kein Kollagen anbieten. Aus unserem Sortiment kann collalloc Vitamin C sinnvoll sein: reine L-Ascorbinsäure ohne Füllstoffe und Süßungsmittel, 100 mg pro Portion. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.
Häufige Fragen
Gibt es veganes Kollagen?
Nein. Kollagen ist ein tierisches Eiweiß, und weder Pflanzen noch Pilze bilden es. Produkte mit der Bezeichnung veganes Kollagen enthalten meist Aminosäuren, Vitamin C und Pflanzenextrakte, die die Bildung des körpereigenen Kollagens unterstützen sollen.
Gibt es pflanzliches Kollagen oder eine pflanzliche Kollagenquelle?
Natürlicherweise nicht. Weder Agar noch Pektin sind Kollagen. Kollagen ohne Tiere können nur gentechnisch veränderte Hefen oder Pflanzen herstellen, und bisher geht es dabei um Forschung für Medizin und Kosmetik (Shoseyov et al., 2014).
Welche Kollagenquelle eignet sich für Vegetarier?
Kollagen aus Fisch, Rind oder Schwein ist nicht vegetarisch. Wenn Sie Eier essen, enthält die Eierschalenmembran Kollagen (Zhang et al., 2026). Ansonsten bleiben Kollagen-Booster und genug Eiweiß in der Ernährung.
Ist veganes Kollagen genauso gut wie tierisches?
Das hat bisher niemand verlässlich gezeigt, und zu Kollagenpeptiden gibt es deutlich mehr Studien. In einer placebokontrollierten Studie mit einer pflanzlichen Mischung stiegen nach 8 Wochen die Kollagendichte der Haut und ihre Elastizität (Lin et al., 2024). Einen direkten Vergleich mit Fischkollagen nennt die Zusammenfassung der Studie aber nicht.
Passt Meereskollagen zu einer pescetarischen Ernährung?
Ja, Meereskollagen stammt aus Fisch und passt deshalb zur pescetarischen Ernährung. Bei einer Fischallergie ist es aber nicht geeignet, denn Kollagen wurde als Fischallergen identifiziert (Hamada et al., 2001).
Wie unterstütze ich die Kollagenbildung bei veganer Ernährung?
Essen Sie genug Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Soja, Nüssen und Samen und viel Gemüse und Obst mit Vitamin C. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.
Quellen
- The collagen family Ricard-Blum S., Cold Spring Harbor Perspectives in Biology, 2011
- Identification of collagen as a new fish allergen Hamada Y., Nagashima Y., Shiomi K., Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry, 2001
- A weak link in metabolism: the metabolic capacity for glycine biosynthesis does not satisfy the need for collagen synthesis Meléndez-Hevia E., De Paz-Lugo P., Cornish-Bowden A., Cárdenas M. L., Journal of Biosciences, 2009
- Oral supplementation of vegan collagen biomimetic has beneficial effects on human skin physiology: A double-blind, placebo-controlled study Lin Y. K., Liang C. H., Lin Y. H. et al., Journal of Functional Foods, 2024
- Recombinant microbial systems for the production of human collagen and gelatin Báez J., Olsen D., Polarek J. W., Applied Microbiology and Biotechnology, 2005
- Human collagen produced in plants: more than just another molecule Shoseyov O., Posen Y., Grynspan F., Bioengineered, 2014
- Secretion-based production of prolyl-hydroxylated human type III collagen in scalable Physcomitrella photobioreactors Bohlender L. L., Parsons J., Mitgau A. et al., Plant Cell Reports, 2026
- Eggshell Membrane: Composition, Extraction, Functional Properties, and High-Value Applications in Functional Foods and Nutraceuticals Zhang Y., Wen Z., Wei T. et al., Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 2026
- Commission Regulation (EU) No 432/2012 establishing a list of permitted health claims made on foods European Commission, Official Journal of the European Union, 2012





