Magazincollalloc im Interview: die Marke, die zum Ritual wurde

5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht: 4. April 2026

collalloc im Interview: die Marke, die zum Ritual wurde

Von: Záviš Lacina, Gründer von collalloc

Als collalloc vor zehn Jahren auf den Markt kam, sah das nach David gegen Goliath aus. Während Pharmakonzerne riesige Tabletten mit dem Geschmack von Chemie-Erdbeere produzierten, packte eine kleine Firma in der Garage reines Meereskollagen ab, ganz bewusst ohne überflüssigen Marketingballast. Im Interview mit dem tschechischen Magazin HROT erzählt Gründer Záviš Lacina, warum die Marke auf Reinheit und Ehrlichkeit setzt und warum sie statt Paris gerade wilde Märkte wie Indonesien oder Äthiopien erobert.

collalloc im Interview: die Marke, die zum Ritual wurde

H: Sie sind in einen Markt für Kollagenprodukte eingestiegen, den es schon seit Jahrzehnten gibt. Was haben Sie anders gemacht?

ZL: Wir kamen wie jemand, der um Mitternacht auf eine Party kommt, aber die besten Getränke mitbringt. Während andere auf riesige Tabletten im Pferdeformat setzten, haben wir auf Reinheit gesetzt. Keine Farbstoffe, keine Aromen à la „Chemie-Erdbeere“ und vor allem kein Marketingballast. Wir haben uns einfach gesagt: Wir binden den Leuten keinen Bären auf, wir füllen lieber anständiges Kollagen ab.


H: Wie kamen Sie ausgerechnet auf Meereskollagen?

ZL: Wissen Sie, eine Kuh davon zu überzeugen, Ihnen das beste Kollagen für die menschliche Haut zu liefern, ist ein langer Weg. Fische sind da deutlich entgegenkommender. Meereskollagen hat uns von Anfang an überzeugt. Außerdem wollten wir etwas, das nicht nach Massentierhaltung riecht, sondern eher nach einer frischen Brise vom Ozean (natürlich ohne Fischgeruch).


H: Woher beziehen Sie das Kollagen?

ZL: Unser Kollagen stammt aus den sauberen Gewässern der Nordsee. Im Grunde sind das Fische, die einen besseren Blick auf das Polarlicht hatten als die meisten von uns im Urlaub. Wir gewinnen es auf nachhaltige Weise aus Fischschuppen und Fischhaut, ein schönes Beispiel für „Upcycling“. Was früher im Abfall gelandet wäre, gehört heute zum Morgenritual vieler Menschen.


H: Für wen sind Ihre Produkte gedacht? Wer ist Ihre typische Kundin?

ZL: Unsere typische Kundin ist eine Frau über dreißig, die gemerkt hat, dass der Effekt von „einfach mal ausschlafen“ immer kürzer anhält. Das sind Frauen, die schön und jung aussehen möchten, aber vernünftig genug sind, nicht an Zauberstäbe zu glauben. Unsere Kundinnen sind aktive Frauen, die wissen, dass eine Investition in sich selbst sicherer ist als eine in Kryptowährungen. Hier zählt nämlich der tägliche Moment für sich selbst und nicht der Kurs im Chart. Wir sind für jede Frau da, die mit Würde älter werden möchte, es dabei aber keineswegs eilig hat.


H: Wie war es, sich im Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln durchzusetzen? Da spielen doch sehr große Player mit.

ZL: Die Großen haben Budgets, von denen man ein kleines Dorf bauen könnte. Wir hatten dafür Wendigkeit und persönlichen Kontakt. Während Konzerne in fünfzehn Meetings die Farbe ihres Logos abgesegnet haben, haben wir schon Schachteln in der Garage gepackt. Unsere Strategie war: Sei so gut, dass man dich nicht ignorieren kann. Und wir hatten mehr Kaffee als sie.


H: collalloc feiert in diesem Jahr zehn Jahre. Was ist Ihnen in dieser Zeit gelungen? Haben sich Ihre Vorstellungen vom Anfang erfüllt?

ZL: Vor zehn Jahren lautete meine Vorstellung: „den ersten Monat überleben“. Also ja, es hat alles übertroffen. Wir haben eine Marke geschaffen, die nicht nur ein Produkt ist, sondern für viele ein Morgenritual. Auf dem Mars sind wir zwar noch nicht (Elon hat sich bisher nicht gemeldet), aber dass uns Menschen weiterempfehlen, ist die schönste Bestätigung.


H: Und was planen Sie für die nächsten Jahre? Wie sieht es mit der Expansion ins Ausland aus?

ZL: Ursprünglich dachten wir, wir stürmen mit unseren Produkten den Westen und die Pariserinnen vergessen ihre lokalen Marken. Wir haben aber schnell gemerkt, dass der Westen in dieser Hinsicht ein bisschen wie ein geschlossener VIP-Club ist. Die Konkurrenz ist groß, die Gewohnheiten sind einbetoniert, und uns aus dem Osten schaut man manchmal an, als würden wir das Kollagen im Kessel im Garten kochen. Also haben wir das Ruder herumgerissen und Kurs nach Osten genommen. Indonesien, Äthiopien, Indien, das ist jetzt unser Revier. Dort ist es ein bisschen wie in den 1920er-Jahren. Wild, unerforscht und voller unglaublicher Energie. Das Geschäft erinnert dort manchmal eher an einen Abenteuerfilm als an eine Excel-Tabelle, aber der Hunger nach Qualität ist riesig. Unsere Zukunft? Die liegt gerade in der asiatischen Sonne. Und wer weiß, vielleicht kehren wir aus dieser „Wildnis“ auf einem Umweg als globale Raubtiere in den Westen zurück.


H: Der Name Ihrer Marke lässt vermuten, dass Sie einen alten tschechischen Film lieben, oder?

ZL: Volltreffer! Ja, Limonádový Joe (in Deutschland als „Limonaden-Joe“ bekannt) hätte seine Freude an uns. Der Name ist aber eigentlich ein kleines sprachliches Puzzle. Der erste Teil, „colla“, verweist natürlich auf Kollagen (collagen). Und „lloc“ steht für das tschechische Wort „lok“, auf Deutsch: ein Schluck. Denn wir glauben, dass ein Schluck am Tag zum Glück reicht. Für Rätselfans gibt es noch einen Bonus: collalloc ist ein waschechtes Palindrom. Selbst wenn Sie es nach einem langen Abend morgens nehmen und die Welt ein bisschen rückwärts sehen, sieht unsere Marke immer gleich gut aus. Man liest es von vorne wie von hinten gleich, und das steht dafür, dass wir ein reines Produkt machen wollen, ohne versteckte „Rückseite“ und ohne Haken.


H: Wie sind Sie eigentlich zu dieser Art von Unternehmen gekommen? Was haben Sie beruflich hinter sich?

ZL: Ich war in verschiedenen Branchen unterwegs, aber mir hat es immer Spaß gemacht, Dinge zu schaffen, die Sinn ergeben und ein greifbares Ergebnis haben. Zu Nahrungsergänzungsmitteln haben mich meine eigene Erfahrung und eine Portion unternehmerischer Frechheit gebracht: Ich habe eine Lücke gesehen, wo andere nur „noch ein Pulver“ gesehen haben. Ich bin der Beweis dafür: Wenn Ihnen etwas Spaß macht und Sie bereit sind, dafür ein bisschen zu schwitzen, können Sie etwas aufbauen, das Menschen wirklich gern verwenden.

collalloc ist ein tschechisches Unternehmen, gegründet 2016. Es hat sich auf 100 % reines Meereskollagen spezialisiert, das auf nachhaltige Weise aus wild lebenden Fischen der Nordsee gewonnen wird. Die Produkte sind bioaktiv, ohne zugesetzte Aromen oder Konservierungsstoffe und richten sich an Frauen, denen Haut und Gesundheit wichtig sind. Der Markenname ist ein Palindrom, er liest sich rückwärts genauso. Das Unternehmen setzt auf Nachhaltigkeit und wächst erfolgreich auf ausländischen Märkten, zum Beispiel in Indien und Indonesien.

Quelle: Magazin HROT, Nr. 3, März 2026, S. 104 bis 105

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